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Veröffentlicht am 05. April 2026 • Von Mag. pharm. Andreas Gruber

Nahtmaterial-Vergleich: Welcher Faden eignet sich für welche Wunde?

Die Wahl des passenden chirurgischen Nahtmaterials ist entscheidend für eine komplikationsfreie Wundheilung und ein ästhetisch optimales Narbenbild. Der Markt bietet eine Vielzahl an Materialien von renommierten Herstellern wie B. Braun oder Ethicon. Um die richtige Entscheidung zu treffen, müssen ÄrztInnen die physikalischen und biologischen Eigenschaften der Fäden verstehen.

1. Resorbierbares vs. Nicht-resorbierbares Nahtmaterial

  • Resorbierbares Nahtmaterial: Diese Fäden werden vom Körpergewebe durch Hydrolyse oder enzymatischen Abbau im Laufe der Zeit resorbiert. Sie eignen sich ideal für tiefe Gewebeschichten (Subkutannähte), Schleimhäute (z.B. im Mundbereich) oder Organe, wo eine spätere Fadenentfernung unmöglich oder unerwünscht ist. Klassische Vertreter sind Polyglycolsäure-Fäden (PGA).
  • Nicht-resorbierbares Nahtmaterial: Diese Fäden behalten ihre Zugfestigkeit dauerhaft und müssen nach der Wundheilung manuell entfernt werden. Sie werden primär für den Hautverschluss (z.B. Polyamid- oder Seidenfäden) oder in der Gefäß- und Herzchirurgie eingesetzt.

2. Monofil vs. Polyfil (Geflochten)

  • Monofilamente Fäden: Sie bestehen aus einem einzigen Strang. Ihr Vorteil liegt in der glatten Oberfläche, die einen extrem geringen Gewebewiderstand (Sägeeffekt) bietet und die Keimansiedlung (Kapillareffekt) minimiert. Sie erfordern jedoch präzises Knotenkunden-Geschick, da sie elastischer sind.
  • Polyfilamente (geflochtene) Fäden: Sie bestehen aus mehreren dünnen Einzelfasern. Sie sind extrem geschmeidig, lassen sich hervorragend knoten und bieten eine hohe Knotensicherheit. Durch die geflochtene Struktur weisen sie jedoch einen leichten Kapillareffekt auf, weshalb sie häufig speziell beschichtet werden.

Praxis-Empfehlung für den Hautverschluss

Für kosmetisch anspruchsvolle Hautnähte im Gesichtsbereich empfiehlt sich ein sehr feiner, monofiler Polyamid-Faden (Stärke 5-0 oder 6-0). Für Standard-Hautverschlüsse an den Extremitäten ist ein geflochtener, beschichteter Faden oder ein steriler Hautklammerapparat eine zeitsparende und sichere Alternative.